Carlos von der Seisenburg

 
 
 
Wir reden schon seit Jahren davon, uns einen Hund zu kaufen. Aber zuerst wollten wir unser „Projekt Haus &Garten“ verwirklichen. Er soll es ja gut haben und genug Platz.
Plötzlich bin ich schwanger und die Freude ist riesengroß. Das Thema Hund wird verschoben. Man hat dann ja genug zu tun und so ein Welpe nimmt viel Zeit in Anspruch.
Jeder Ultraschalltermin wird zum Großereignis. Man kann es gar nicht mehr erwarten, schmiedet Pläne. Kurz vor dem Geburtstermin nimmt die unfassbare Katastrophe ihren Lauf und unser Baby stirbt.

·         ……….und das Leben, falls man es noch so nennen kann, steht still.
·         ……….nichts als schmerzvolle Leere.
·         ……….jeder Tag wird zum unerträglichen Alptraum, und die Nächte sind noch schlimmer.
 
Nach einiger Zeit merkt man, dass sich nichts ändert, nicht im Herzen, - nur zum Schein vor anderen Menschen und man überlegt wie man jetzt nur weiterleben kann.
 
Da kam Carlos von der Seisenburg in unser Leben. Ja, Er kam. Wir hatten uns eine niedliche Hündin ausgesucht. Aber er wusste es besser. Er watschelte zu uns und blieb zwischen franz seinen Füßen sitzen. (So in der Art: Ihr zwei seit gerade gut genug für mich!)
Na gut, dann eben der Rüde. Wir haben ja schon gehört dass sich der Welpe die neuen Besitzer aussuchen soll und nicht umgekehrt.
Von da an ging´s bergauf. Carlos war der lustigste und bravste Welpe den man sich nur wünschen kann. Wir haben uns auf viele zerbissene Schuhe, unzählige Hauferl im ganzen Haus usw. eingestellt. Aber dieser kleine Kerl war doch tatsächlich mit seinen acht Wochen schon stubenrein und beherrschte schon das Kommando sitz!! Überhaupt klappte alles wie am Schnürchen. Er war total selbstsicher und fürchtete sich vor gar nichts.
Es verging kein einziger Tag an dem er uns nicht zum Lachen brachte und Freude bereitet hat.
Mit seinem spitzbübischen, sonnigen Charakter brachte er wieder die Freude in unser Leben.
Was für uns die guten „menschlichen“ Eigenschaften ausmacht, brachte Carlos ohne Anstrengung alle mal auf die Reihe. Wenn er an einer bestimmten Person besonderes Interesse zeigte, wo ich mir dachte:“ na, hallo sagen genügt“ behielt er am Ende recht. Ohne ihn wären mir einige echte Freunde durch die Lappen gegangen.
 Er fordert nichts und gibt dir alles tausendfach zurück.
Zeitweise war er mir fast schon unheimlich, wenn ich mir z.B. während irgend einer Arbeit dachte: „Wär´ doch echt schöner mit Carlos einen Spaziergang zu machen“, und er springt auf, deutet mir mit dem Kopf ,-komm mit, und rennt zur Tür! Da gäbe es jetzt eine Menge Beispiele, aber nur eine Erklärung, er beherrschte die Telepathie. Er verstand uns sozusagen wortlos und das immer. Wir waren Tag und Nacht zusammen und mit der Zeit ein eingespieltes Team.
Alle unsere Freunde hat er begrüßt als hätte er in zweiwöchiger Einzelhaft auf sie gewartet. Das steckt an.....

Außerdem wusste er immer genau wie er auf den jeweiligen Menschen zugehen muss, da können sich alle Therapeuten der Welt unterm Tisch verstecken. Sogar bei Leuten die panische Angst vor Hunden hatten, hat er es geschafft das sie mit der Zeit regelrecht vernarrt ihn ihn waren.

Er hatte das gewisse Etwas. War ein Kasper und wahnsinnig verspielt, doch war er gleichzeitig sensibel und ruhig, je nachdem. Hatte seinen eigenen Kopf und war trotzdem immer folgsam, auch wenn er ab und zu durchblicken ließ, das er das jetzt total unsinnig findet was man da gerade von ihm will.
Er akzeptierte es auch, mal nicht mitzudürfen, aber meistens war er mit von der Partie und war glücklich darüber. Denn er war äußerst geschäftig und wollte immer in unserer Nähe sein.
Ich hab´ ihm fast jeden Tag gesagt das er der schönste Schäferhund ist und er hat mir dann zu verstehen gegeben das er das ja eh weiß, aber gut danke. So war er, zwar der gutmütigste Hund der Welt, aber auch der stolzeste. Er hatte es auch nicht nötig jemanden anzuknurren, denn sein majestätisches, waches Aussehen haben gereicht um unheimlichen Fremden Respekt einzuflößen.
Und jetzt weiß ich was gemeint war als mal jemand sagte: „Das war mein Lebenshund“!
Denn nur wenn man sehr viel Glück hat, bekommt man einmal im Leben so einen Hund. Egal wie viele vielleicht noch folgen.
Als Carlos fast ein Jahr war, bekamen wir unseren Sonneschein Samuel. Wir hörten die üblichen Ratschläge und einige hatten Angst Carlos könnte eifersüchtig auf unser Baby sein und es verletzen. Aber uns ist bei anderen Familien aufgefallen, das sobald das Baby da ist, der Hund plötzlich die zweite Geige spielt und sich niemand mehr Zeit für den Hund nimmt.
Dann ist es ja kein Wunder wenn der Hund rebelliert und eigentlich nur auf sich aufmerksam machen will.
Anscheinend haben wir uns genug bemüht dass er sich nicht zurückgesetzt gefühlt hat, denn er hat Samy in unser „Rudel“ aufgenommen und wie seinen kleinen Bruder behandelt.
Die zwei waren das Team. – Was sich liebt das neckt sich……
Ich hatte keine Sekunde Bedenken wenn Carlos sich zu unserem Winzling auf die Decke gelegt hat. Manchmal war es schon nervig wenn er ihm zum x-ten mal die Socken von den Füßchen gezogen hat, aber noch lustiger war es, das Mitahnzusehen. Als Samy noch nicht sitzen konnte, schob er seine Schnauze unter ihn und schaukelte ihn auf und ab und Samy kicherte aus voller Kehle. Außerdem war er der Windelexperte Nr.1. Wenn er Samy hinten an die Hose gestupst hat, wusste ich es ist Zeit ihn zu wickeln. Er war auch das verlässlichste Babyphone der Welt. Und wenn er ganz gut drauf war, hat er ihm sogar für kurze Zeit seinen Ball überlassen, was schon was heißt. (Wäre damit zu vergleichen wenn jemand sein neues Auto einem L17 für eine Probefahrt überlässt.)
Obwohl ich die Tage mit ihm verbracht habe und ihm das Futter gab, war ich, sobald Franz auf der Bildfläche erschien Luft. Er liebte sein Herrchen abgöttisch. Alles was er mit ihm unternommen hat war das „non plus ultra.“ Da konnte nichts und niemand mithalten.
Damit er vom Spaziergang auch was hat, ließ ich ihn meistens ohne Leine sein Tempo laufen.
 Er blieb immer in meiner Nähe und ist uns auch niemals abgehauen. Mit Leine kam es mir so vor als würde ich einen Spitzensportler im Rollstuhl transportieren. Er war sehr folgsam und wir gingen ja ohnehin in der „Pampa“ spazieren. Kein Auto weit und breit, nur ab und zu ein Zug……..
 
So ein Zug hat ihn aber dann am Do. den 27.Sept.07 voll erwischt .Er hatte mit Franz ein paar Tage zuvor einen entlaufenen Hund dort oben bei den Gleisen gesucht und es hat ihm soviel Spaß gemacht, dass er mir das noch mal vorführen wollte, da bin ich mir sicher. Es ging alles so schnell und wie ich vom Kinderwagen wieder zu ihm schaue, steht er da oben und lacht mich an. Da donnerte auch schon der Zug heran und ich hab in Sekundenbruchteilen entschieden ihn nicht zu rufen, denn dann hätte ich ihn genau in die Gleise geschickt. Er hat leider nicht diesen Moment gewartet, sondern wollte schnell zu mir zurück. Er war sehr tapfer und hat lange gekämpft. Ein paar Stunden später hat er diesen Kampf aber verloren.
Unser Carlos ist tot.
Über diese Stunden kann ich nicht einmal schreiben.
Erst jetzt wird mir so richtig bewusst wie viel ich ihm den ganzen Tag erzählt habe, was ich alles mit ihm „besprochen“ habe. Wie oft ich ihn geknuddelt und gestreichelt habe.
Wie gut es getan hat das er einfach da war. Er war reine Liebe pur....
Es ist totenstill im Haus, auch wenn Samy Radau macht. Der kleine sucht ihn den ganzen Tag, obwohl er erst vierzehn Monate alt ist, vermisst auch er ihn unendlich.
Samy zuliebe müssen wir stark sein.
....Heut ist es kühl, aber sonnig. Das wäre ein schönes Wetter um mit Carlos einen langen Spaziergang zu machen................
 .....und wenn wir uns getröstet haben, werden wir einfach nur froh und dankbar sein dich gekannt zu haben..............
In großer Liebe und Dankbarkeit nehmen wir von dir Abschied.
 
   Ps: Dem Carlos wäre das jetzt sicher zu schwülstig, denn er war eher fürs fröhliche!;-)
 
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